Zusammenfassung:
Die ganzheitliche naturheilkundliche Therapie muß sich nicht nur um
den Körper, sondern auch um Geist und Seele bemühen. Der Geist erschließt sich
uns über die menschliche Empfindungstätigkeit. Wird diese aktiviert , bemüht
sich der Mensch um eine stimmige Ausrichtung seines Lebensweges. Darüber
verstärkt er sein inneres Streben nach
Gesundung, indem er seinem Leben eine
neue Ausrichtung gibt, die im Einklang ist mit seinen wesentlichsten Idealen
und Wertvorstellungen.
Das chinesische I GING, das
„Buch der Wandlungen“ ist trotz seiner bereits 3000 Jahre alten Geschichte ein
„lebendiges Buch“. Es ist in der Lage, durch seine rein geistige Natur ein
mögliches Sprachrohr des menschlichen Geistes zu sein, welcher - wie das I GING- nicht an Raum und Zeit gebunden ist. Dadurch kann das I GING für
jeden Einzelnen Antwort auf jede ernst
gemeinte Frage geben Es bezieht die Stellung des Menschen zwischen Himmel und
Erde ein und verleiht dem ständigen Wechsel der Lebenssituation eines Menschen
Ausdruck. Es kann alle Phänomene erklären helfen, also auch gesundheitliche.
Durch Einbeziehung des I GING in eine „Therapie für den Geist“
entsteht ein Austauschprozeß zwischen
Therapeut und Patient, da das I GING unmittelbar die geistigen und seelischen
Sphären des Patienten anzusprechen in der Lage ist und sich dadurch bei ihm freie Assoziationen
einstellen, die mit seinem „inneren Streben“ in Einklang sind:
Die Weisheiten und Wahrheiten des I GING können dem Patienten den Weg aus seiner Krankheit
zeigen . Das I GING ist daher als
Sprachrohr des Geistes ein „sinnvoller“, wenn nicht sogar notwendiger Verbündeter
der Naturheilkunde für eine ganzheitliche
Therapie an Körper, Geist und Seele.
„Die Wahl eines
Heilsystems ist für den naturheilkundlichen Behandler wie die Wahl oder der
Erwerb einer Weltanschauung: Mit den Methoden wählt er nicht nur die Denkweise
und die Heilmittel, sondern auch das ihm Verwandte, das ihm aus
philosophischen, geschmacklichen auch religiösen, ethischen und sozialen
Gründen am nächsten oder ähnlichsten erscheint. Es ist eine Wahlverwandtschaft
des Geistes und des Gemütes, vielleicht auch der Handhabung, die zur
Entscheidung für ein bestimmtes Heilsystem führt, wenn man nicht mehr oder
minder wahllos tut, was die Fachpresse oder die Fachindustrie suggeriert.“[1]
Diese
Worte des Heilpraktikers Ulrich Jürgen Heinz aus seinem Buch „Spagyrik- die
medizinische Alternative“ haben mich dazu ermuntert, ein Therapieverfahren zu
entwickeln und in meiner Praxis als Heilpraktiker einzusetzen, das zunächst mit
Naturheilkunde nicht viel zu tun zu haben scheint. Ausschlaggebend war,
daß ich wertvolle Hilfe und Inspiration für
drei Fälle von Raucherentwöhnung, Fastendiät und Prüfungsängsten von einer ungewöhnlichen Quelle bekam - dem
„I GING“, auch genannt „Buch der Veränderungen“ oder „Buch der Wandlungen“. Mir selbst ist das I GING in den
letzten 20 Jahren ein wichtiger Berater für grundsätzliche Entscheidungen im
Privatleben und Beruf gewesen. Langsam
hat sich mir die anfänglich nur schwer
verständliche Symbolsprache dieses uralten Textes eröffnet, so dass ich
schließlich auch dazu übergegangen war, diese bewundernswert reiche Quelle von
Lebensweisheit „assoziativ“ mal mit , mal ohne den Patienten für „stimmige“ Behandlungsvorschläge in
meiner Praxis einzusetzen. Durch eine äußerst konkrete Bestandsaufnahme ihrer Situation mit Hilfe
des I GING wurden die jeweiligen Patienten erstaunlich motiviert,
sich zu verändern, denn es war gelungen,
ihnen Lösungsvorschläge ihrer Probleme anzubieten. Für diese Unterstützung durch das I GING bin
ich sehr dankbar , da es durch seine Klarheit
meinen eigenen Wissen- und Weisheitsstand (natürlich) um ein Vielfaches überragt und insofern
erweitert. Außerdem befindet sich seine Sprache auf einem Niveau, die
unmittelbar Zugang zum „Gemüt“ oder „Geist“ hat und , zwar der Erläuterung,
aber keinerlei abstrakt- theoretischen Denkansätze bedarf.
Wegen dieser positiven
Eindrücke möchte ich gerne meine
Erfahrungen weitergeben, um damit zu einer Diskussion über die Körper- Geist-
Seele- Thematik beizutragen.
In unsere Praxen kommen ständig kranke Menschen mit ihrem
Bedürfnis nach Heilung oder Linderung . Mitsorge, Mitleid, Anhören und
Antworten spielen eine große Rolle beim
Heilungsprozeß und sind darüber hinaus „billigere Heilmittel ohne Nebenwirkung
und Versüchtigung“[2]. Da hierfür in der Praxis des Schulmediziners
in der Regel kein Platz ist, sollten sich gerade Heilpraktiker mit ihrem ganzheitlichen Anspruch um eine
Qualifizierung auf „geistigem“ Gebiet
bemühen. Dies rechtfertigt neben einem
offenen Ohr und Herzen und psychotherapeutischen Kenntnissen auch den Einsatz
von „unkonformen“ Methoden, wenn deren
Ergebnisse positiv für den Patienten ausfallen.
Das Credo der Naturheilkunde einer „Heilung an Körper, Geist und Seele“ wird auch von Heilpraktikern häufig nur als leere Floskel gebraucht.
Diese hoffen –zum Teil zu Recht- darauf, daß sich ihre Heilverfahren indirekt
wohltuend auf Geist und Seele auswirken, wenn erstmal der Körper unterstützt
wird. Eine direkte Hilfe aus dem Bereich
Geist und Seele steht meist nicht zur Verfügung, wäre aber viel wünschenswerter,
denn wir wissen ja um die Wechselwirkung zwischen wiederhergestellter geistiger
Gesundheit und körperlichem Genesungsprozess.
Geist oder Verstand?
Es geht also darum, sich über den
Begriff „Geist“ Gedanken zu machen
Zunächst müssen wir Geist von „Verstand“ oder „Vernunft“
unterscheiden: Geist zielt auf Ideale,
Wertvorstellungen und Affekte voller Sehnsüchte und Hoffnungen, die im wesentlichen von einem
erlebnisorientierten Zugang geprägt
sind. Verstand hingegen bezeichnet eine rationale Gedankentätigkeit mit wenig affektivem Gehalt. Die Fähigkeit
zu denken hat eine Menge großer
menschlicher Leistungen, z. B. auf
wissenschaftlichem und gesundheitlichem Gebiet hervorgebracht. Aber die
Überbetonung von Intelligenz und Verstand ist
auf Kosten unserer Erlebnisfähigkeit gegangen, während wir gleichzeitig
eine Einschränkung unseres „seelischen Befindens“ als minderwertig ansehen.
Man darf sich...
nicht mit der Vernunft selber identifizieren; denn der Mensch ist nicht bloß
vernünftig und kann und wird es nie sein... Das Irrationale soll und kann nicht
ausgerottet sein.... Das Uneinssein mit sich selbst ist überhaupt ein
Kennzeichen des Kulturmenschen. (Jung (s. Hypnose)
Die Erfahrungen in der täglichen Praxis zeigen, dass
Patienten nicht allein vernünftige
Ratschläge suchen. Appelle an die Vernunft, gestützt von statistischen
Erkenntnissen über die unausweichlichen Folgen gesundheitsschädigenden
Verhaltens, reichen nicht aus, um einen Prozeß „innerer Wandlung“ in Gang zu
bringen. Der „Boom“ energetischer und meditativer Heilmethoden zeigt ein Bedürfnis nach nicht rein
verstandesbetonten Gesundungswegen bei Therapeuten und deren Patienten
gleichermaßen.
Anknüpfen an alte Heiltraditionen
Erstaunlicherweise knüpfen viele Heilmethoden an alten
Traditionen an, deren
„wesentlich
gemeinsames Gedanken- und Anschauungsgut (...) war, daß alles Heilen, Genesen
und Gesundsein aus übergeordneten Gründen zu verstehen sei, mögen diese
Gründe unter den Bezeichnungen Gott,
Geist, Seele, Pneuma oder Psyche angesprochen worden sein. Es galt, daß eine
Kompetenz der Steuerung, die dem Krankheitsprozeß nicht unmittelbar unterworfen
war, diesen beeinflussen könnte.“[3]
Wir gehen heute davon aus, dass Heilung nicht nur ein
Resultat körperlicher Abwehrleistung ist. Kein Therapeut kann schlüssig
erklären, warum von zwei Patienten mit demselben Beschwerdebild und der
gleichen Therapie einer gesund wird,
der andere nicht. Sicher ist, dass
Patienten mit positiver Lebenseinstellung und aktivem Bemühen um Gesundheit
bessere Heilungsaussichten haben als die, welche nicht an ihre Gesundung
glauben. Das läßt die Schlussfolgerung zu, dass die Beachtung der geistig-
seelischen Gesundheit wieder eine größere Rolle spielen muss.
Hat der Therapeut „ordnungstherapeutisch“ gearbeitet, was
jede ganzheitliche Therapie auszeichnet, so kann er dabei behilflich sein, dem
Leben des Patienten eine neue Richtung zu geben. Ein Ordnungsprozeß verlangt
vom Einzelnen „Innenschau“, bei der
nicht nur tägliche Gewohnheiten, sondern auch Einstellungen und Glaubenssätze
auf dem Prüfstand stehen. Zu dieser Art von Auseinandersetzung ist nicht jeder Patient- auch nicht jeder
Therapeut- bereit. [4] Zum Genesungsprozeß eines Menschen gehört
aber wesentlich das Gefühl, daß er mit sich und seinem Leben zufrieden ist,
oder anders ausgedrückt: Er möchte
einen „Sinn“ in seinem Leben sehen und sein Leben „sinnvoll“ leben. Dazu muß er
„Selbsterforschung“ betreiben:
Selbsterforschung
ist die unerläßliche Voraussetzung für die
Übernahme höherer Verpflichtung und wäre
es auch nur die, den Sinn des individuellen Lebens in bestmöglicher Form
und in größtmöglichem Umfang zu verwirklichen.[5]
Es gibt keinen Menschen, dem nicht Intuition und ein
Gespür für höhere Empfindungen, Werte und Ideale innewohnt. Dieser Art von Sensibilität viel oder wenig Raum zu geben, hängt
davon ab, mit welch eindringlichen
Erlebnissen und Konflikten jemand in
seinem Leben konfrontiert worden ist.
Der Mensch verändert sich in Situationen, in denen seine „Empfindungsfähigkeit“ dramatisch und
intensiv - positiv als Glücksmoment
oder negativ als stressige Lebenskrise-
aktiviert wird. Er konserviert oder vermeidet in seiner weiteren Entwicklung diese gefühlsmäßige Intensität,
weil sie ihm bedeutungsvoll erscheint. Dabei begibt er sich auf die „Suche nach
innen“. Schafft er diese Suche nicht allein, äußert sich Missempfinden - körperliches oder
seelisches- , bis er schließlich Hilfe bei einem Therapeuten sucht.
Diese erhalten aus Heilbehandlungen mit Hypnose,
Psychoanalyse, Traumdeutung etc.
Einblick in Unbewußtes, verborgen Bewußtes und die Gefühlswelt ihrer
Patienten; Ausgangspunkt des Materials
ist hier die Vergangenheit des
Patienten. Aus Chakratherapie, Reiki, TCM etc. erhalten sie Aufschlüsse
über seinen gegenwärtigen energetischen
Zustand kennen.[6].
Aber woher erfahren sie etwas über die Zukunftsanteile im
menschlichen Denken, Fühlen und Handeln? Woher wissen wir, welche Ziele der
Mensch hat, nach was er sucht, welche inneren Bestrebungen, Sehnsüchte, Ideen,
Hoffnungen, Wahrheiten ihn ausfüllen, mit denen er seine zukünftigen Pläne
verwirklichen möchte?
Geistige
Ausstrahlung des Menschen
Die Antwort auf diese Fragen liegen in der Natur des
menschlichen Geistes. Dazu müssen wir uns den Begriff „Geist“ näher ansehen.
Was ist Geist?
Der Geist des Menschen ist ein unsichtbares
feinstoffliches Substrat, im Gegensatz zum sichtbaren grobstofflichen Körper
mitsamt seinem Verstand.
Jede einzelne Stofflichkeitsart erzeugt ihre bestimmte, eigene Ausstrahlung welche
zusammen einen Strahlungskranz ergibt, den man heute schon kennt. Nicht umsonst
spricht man von der Ausstrahlung eines Menschen, die im Falle der Krankheit leidet, bei Gesundheit harmonisch ist.
Ebenso hat jeder Stein, jede Pflanze, jedes Tier seine Ausstrahlung. Körper und
Geist haben eine unterschiedliche
Ausstrahlung. Der grobstoffliche Körper wäre allein nichts, wenn er nicht von
der feinstofflicheren geistigen Ausstrahlung
durchdrungen wäre. Diese wiederum wird gespeist von der „Urkraft“, die auch das
„Wesentliche“ oder „TAO“ genannt wird und sich bei Hahnemann in der
„Lebensenergie“ des Menschen, in der TCM im „Qi“ , in der ayurvedischen Medizin
als „Prana“ äußert.
Die geistige Ausstrahlung eines Menschen ist weitreichenden Einflüssen ausgesetzt die
nicht an Zeit und Raum gebunden sind .Das erklärt u.a. , warum lang vergangene Leidenserfahrungen
noch heute so intensiv erlebt werden können. Erst die Erkenntnis der Zusammenballung von vergangenen,
gegenwärtigen und zukünftigen Schwingungen von Körper und Geist- Energien eines Menschen wird einer ganzheitlichen
Betrachtungsweise gerecht.
Geist hat das ständig aktive Bestreben nach
Selbstverwirklichung im Sinne einer zu erfüllenden Lebensaufgabe. Vom Wesen her ist der Geist damit
zukunftsorientiert. Er ist der
ursprünglich gleichberechtigte –
durch die Überbetonung des Verstandes
verkümmerte- Partner des Verstandes, der über Empfindsamkeit, Feingefühl und Intuition die
Gemütsempfindungen des Menschen aufnimmt, speichert und verarbeitet. Alle wichtigen und Eindruck - hinterlassenden
Erlebnisse im Leben eines Menschen fließen hier ein und führen zu einer
größtmöglichen Empfindung dessen
was „gut“, „echt“ , „wahr“ und
„stimmig“ ist (oder deren Gegenteil). Die
Empfindungsfähigkeit anzuregen verbunden mit Erkenntnis, ist daher
gleichbedeutend damit, den Geist zu betätigen. Auf diese Weise hilft man
dem Menschen dabei, seinem inneren Streben, seiner Suche nach dem „richtigen Weg“ Nahrung
zu geben.[7]
Gespeist wird der Geist
(wie auch der Körper) aus den „zwei
Grundkräften, die in ihrer Wirkung auf
der Erde zum Tragen kommen: jene, die aus dem Raum kommen und als kosmische
oder himmlische bezeichnet werden und
jene, die von der Erde selbst hervorgebracht werden“[8]. Der Mensch steht zwischen Himmel und Erde
und wird neben Einflüssen aus seiner
Sozialisation in gleichem Maße beeinflusst durch natürliche Erscheinungen, Rhythmen und Strahlungen, wie auch
durch Himmlisch- Geistiges. In letzterem ist der Mensch offen für scheinbare
Zufälle[9],
für Ahnungen , Empfindungen, die seine Entscheidungen genauso beeinflussen, wie bewußte Planung.
Esoterik oder Exoterik
Letztlich bleibt es eine individuelle Entscheidung, ob
sich jemand auf die Suche nach der „Entwicklung
und Erhöhung des eigenen inneren Menschen“ (Jung) begeben möchte oder
nicht. Spürt er ein Bedürfnis nach Erkenntnis, nach Wahrheiten, nach Sinn wird
er automatisch zum „Esoteriker“.
Denn der „Esoteriker“ ist im wörtlichen Sinn der „innere Mensch“ im Gegensatz zum
„Exoteriker“ als dem äußeren Menschen. Die Tatsache, daß „esoterische“ Menschen
heutzutage vorschnell als „Außenseiter“ oder „Geheimniskrämer“ verunglimpft
werden, kann nicht verbergen, dass die Esoterik ein reiches Wissen über die
Empfindungsfähigkeit des Menschen anbietet, welches unmittelbar nachfühlbar
ist, und welches man durch Prüfung übernehmen oder ablehnen kann.
In
diesem Sinne postuliert Franciscus
Adrian als wesentliche Lebensaufgabe des Menschen die „Suche nach Erkenntnis“
und unterscheidet zwischen der:
„Exoterik- das
objektive, von außen her durch Lehren, Lernen, Quellenstudium etc.
vermittelbare Wissen. Damit muß der Mensch beginnen; doch in den bloßen
Kenntnissen darf er nicht verharren.“
und der
„Esoterik- das
subjektive, nur durch persönliche innere Wandlung, durch Umstellen der ‚inneren
Lichter‘ zugängliche Wissen. Hiermit muß der Mensch fortfahren, damit alle
Kenntnis in den Dienst der Suche nach Erkenntnis eingebunden bleibt. Kenntnisse
tragen Bedeutung- Erkenntnisse vermitteln Sinn.“ [10]
Erforschung des Schicksals
Das I GING
vermittelt ein intuitives Verständnis der
Weltverhältnisse, ermöglicht das Eindringen in die tiefsten Geheimnisse von
Natur und Geist. Das „Buch der Veränderungen“
befindet sich in Harmonie mit „Sinn“ und „Leben“ der Welt ( bestehend aus Naturgesetz = tao
und sittlichem Gesetz = te) Deshalb vermag es Regeln über das aufzustellen, was
für jeden das rechte ist. Es ergründet
den letzten Sinn (Zweck) der Welt, das Schicksal , das Sosein der Welt, so wie
diese nun einmal geworden ist durch
schaffenden Beschluß (ming). Indem man in die Welt der äußerlichen Erfahrung
(Natur) und der innerlichen Erfahrung (Geist) absteigt bis zum letzen Brunnen,
erreicht man dieses Ziel der vollständigen Ergründung.[11]
Die „heiligen Weisen“ (die das Buch schufen)
machten außer durch Erforschung der Intelligenz der Menschen , Tiere und
Pflanzen Gebrauch vom „Zufall“, „ worin
sich –gerade durch das Fehlen einer direkten Bedeutung- ein tieferer Sinn
ausdrücken konnte.“[12]
Dieser Zufall spielt in der Art und Weise der Befragung des I GING eine
entscheidende Rolle: Das Hexagramm [13]
das man als Antwort auf eine Frage erhält,
hat einen – immer wieder aufs neue- verblüffenden Bezug zur
Fragesituation. Es ist wie ein „Echo“ derselben , angereichert mit Weisheit, für die es nichts „Fernes und
Nahes, nichts Dunkles und Tiefes“ gibt [14]
Seine Sprache enthält Wahrheiten, die Bewußtes wie Unbewußtes im Menschen
berühren.
Lebendige geistige Beziehungen
Das
I GING, das altchinesische „Buch der Wandlungen“ existiert in seinem Kern
bereits seit mehr als 3000 Jahren. Seine „ungebrochene Vitalität“ (Adrian)
begründet sich darin, daß die Chinesen durch Beobachtung der Natur vor allem
deren ständige Veränderung und Umgestaltung begriffen. „Nichts auf dieser Welt
steht wirklich ‚fest‘, nichts ist ‚sicher‘, außer der zyklisch fließenden Zeit.
[15]
Wandlung , im Sinne einer täglichen Erneuerung, wird bewirkt durch den SINN,
das TAO, als einem allen Natur- aber
auch Körper- Geist- Seele – Prozessen innewohnendem Grundprinzip. Das „Buch der
Wandlungen“ als Sprachrohr des „TAO“, ist u.a. das Werk, das „dazu dient, die
Veränderungen mit lebendigem Zusammenhang zu durchdringen.“ [16]
Die
Wahrnehmung einer ständigen Wandlung in der Natur wurde im alten China
zunächst für verlässliche Wetter- und
damit Ernteprognosen eingesetzt und anschließend auf die menschlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse
übertragen. So wurde das I GING zu einem vielbenutzten Orakelbuch, das dazu
diente, auf Weisheit und Gerechtigkeit
beruhende gesellschaftliche Ordnungen herzustellen.[17]
Insofern fand es Anwendung beim Menschen, der
in Familie und Staat aufwuchs
und sich veränderte. Durch seine besondere Stellung zwischen Himmel und Erde
war der Mensch natürlichen und kosmischen Einflüssen ausgesetzt, deren
Berücksichtigung stimmige Aussagen über
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft möglich machten.
Dies
ist auch heute noch so! In praktischer
Hinsicht wird das I GING
„zwei menschlichen Anliegen gerecht: Erstens, sich ankündigende
Veränderungen schon im Keime zu erkennen, und zweitens, immer wieder
zurückzufinden auf den rechten Weg des Einklangs mit den Erfordernissen, dem
SINN der werdenden Zeit.[18]
Wie
ist das möglich? Dazu schreibt Richard Wilhelm, der 1924 das I GING in einer
Übersetzung erstmals auf den deutschen Buchmarkt brachte: „Das „Buch der
Wandlungen“ ist deshalb so umfassend in seiner Anwendungsmöglichkeit, weil es
nur (diese) rein geistigen Beziehungen
enthält, die so abstrakt sind, daß sie in jedem Gefüge von Wirklichkeit ihren
Ausdruck haben.“ [19]
Das I GING ist also der sprachliche Ausdruck geistig- energetischer Prozesse.
Durch seine Anwendung gelangt der Mensch letztlich dazu, „die innersten guten Anlagen rein zur
Darstellung kommen“ zu lassen, indem er nicht im Widerspruch mit den Gesetzen
zwischen Himmel und Erde steht. Bei „ganzheitlicher“ Ausrichtung des
menschlichen Geistes, in dem Weisheit und Wirken in Betracht kommen, sind mit Hilfe des „Buches der Wandlungen“
„Intellekt und Wille richtig zentriert , so dass auch das Gefühlsleben in die richtige Harmonie der
Stimmung kommt.“[20]
Die
Kräfte , die das Leben eines Individuums beeinflussen, stehen niemals
still. Aus demselben Grunde verändert
sich der Mensch Tag für Tag, Stunde für Stunde, ein Phänomen, das s. u.a. in
der Spagyrik oder Homöopathie beim Austesten individueller Heilmittelmischungen
bestätigt. Denn auch der Zustand der Organe verändert sich ständig.
Freier Wille hebt
Karma auf
Außer
durch die Gesetze von Himmel und Erde
verändert sich der Mensch noch durch sein Karma und die Ausübung des freien Willens . Denn:
„Glücklicherweise kann der Mensch
sein Schicksal bis zu einem bestimmten Grad lenken. “[21] Er hat die „Freiheit der Wahl bei allem, was
er denkt, tut oder sagt“ . „Der Mensch kann sich geistig (und seelisch)
weiterentwickeln und durch Reinigung und Läuterung die Ebene des Geistes
betreten (auch wenn dies nur für kurze Zeit geschieht). Die Ebene des Geistes
hebt die Gesetze, die auf der Ebene der Materie gelten, und damit die Gesetze des
Karma auf .[22] [23]
Der
Mensch hat die Möglichkeit, sich für
ein aktives Leben in geistiger Weiterentwicklung zu entscheiden. Nur insofern
er aus seinen Fehlern lernt, wird er in seinem Willen frei. Indem er sich
seiner Beeinflussung durch kosmische, irdische und karmische Einflüsse bewußt
wird und diese bei seinen Entscheidungen
beachtet, kann er sogar karmische Wirkungen aufheben. Das I GING hilft
ihm dabei, denn es berücksichtigt diese Einflüsse auf allen Ebenen des
menschlichen Lebens in ständigem Wechsel. Es ist daher ein wirkungsvolles
Mittel, um den Menschen in Einklang mit sich, dem Kosmos und der Natur zu
bringen. Ist er im Einklang mit sich, winkt großer Gewinn: Sein äußeres Leben wird in zunehmendem Maße leichter, konfliktfreier
und „unproblematischer“.[24]
Aufbau des I GING und Voraussetzungen bei der Handhabung
Natürlich wird es nie möglich sein , eine vollständige
Einsicht in die Gesamtzusammenhänge
menschlicher Existenz zu erhalten. Ebensowenig können wir verstehen, wie das I GING in der Lage ist,
sich ständig zu erneuern und für immer wieder wechselnde Lebenssituationen eine
hilfreiche Erklärung zu haben.
Aber wir können das I Ging dort einsetzen, wo Kranke
Heilung suchen im Sinne eines besseren Verständnisses
a)
der
Ursachen ihrer Erkrankung ( Antwort auf die Fragen: wie bin ich in diese
Situation geraten?, was habe ich falsch gemacht, durch welche
Zustände/Verhaltensweisen bin ich krank geworden?)
b)
einer
momentanen für sie undurchschaubaren Gesamtsituation (Was ist überhaupt los?) und
c)
der
Möglichkeiten, sich durch richtiges Verhalten, durch richtige Entscheidungen
aus der krankmachenden Gesamtsituation zu befreien (was kann ich tun?).
Das Verständnis der
Urteile, Bilder und besondere Linien des I GING und deren Einsatz in der
naturheilkundlichen Praxis ist an gewisse Voraussetzungen geknüpft:
-
Man
muß wissen, wie das I GING korrekt befragt wird.
-
Dem
Behandler selbst muß der Sinn des I
GING „zufallen“. Dies geschieht nur, wenn er selbst einen Prozeß „innerer
Wandlung“ durchläuft oder zu durchlaufen
bereit ist. Dann kann er dem Behandelten Interpretationen für konkrete Veränderungen nahelegen.
Gleichzeitig liefert der Patient Material, da das I GING sein
Bewußtsein und seinen „Geist“
anregt. Der Behandler muss immer offen bleiben für Interpretationsmuster des
Patienten.
-
Die
Aussagen des I GING sind - wie bei
allen Orakeln- vieldeutig, so dass sich
die „wahre Bedeutung vollkommen nur durch Betrachtung im Nachhinein offenbart[25]
-
Aufgabe
des Therapeuten ist es, im Vorgespräch die „wichtigste oder dringendste“ Frage
des Patienten herauszuarbeiten.[26]
Je genauer die Frage ist, umso konkreter wird das I Ging antworten. Diese Frage
muß den „Kern der Sache treffen“ und
die Zustimmung des Patienten finden.
Diese Zustimmung ist notwendigerweise subjektiv, denn sie beruht auf dem
In- Sich- Hineinhorchen des Patienten.
-
Der
Therapeut liest dem Patienten sein Hexagramm vor und es wird gemeinsam
besprochen. Zuhause sollte sich der
Patient dieses Hexagramm öfter durchlesen und über dessen Urteil, Bild und Linien nachdenken, meditieren. Auf
diese Weise erinnert er sich, wird bestärkt oder erhält neue Anregungen , bis sich seine Situation durch
eigenständige Bemühungen oder durch Abwarten verändert hat. [27]
-
Im
Wesen des I Ging liegt es, ein und dieselbe Frage nicht zweimal zu stellen, nur
um herauszufinden, ob es dieselbe Antwort gibt. Das I Ging fühlt sich dann
„belästigt“.[28] Ich halte dies für berechtigt, denn hinter
dem Versuch einer erneuten Befragung verbirgt sich der Zweifel des Fragenden.
Das „Buch der Veränderungen“ arbeitet auf einer feinstofflichen Ebene, auf der
man sich öffnet für geistige Energien und Schwingungen. Zweifel ist ein Produkt
des grobstofflichen Verstandes. Der Verstand
hat zwar eine Ahnung vom
Feinstofflichen, ist aber an den Körper gebunden. Zweifel als negativer
Verstandesäußerung bewegt sich in noch engeren körperlichen Grenzen. Deshalb
können I GING und „Zweifler“ nicht miteinander kommunizieren. Dem Zweifler
entgehen dadurch wertvolle Möglichkeiten zur Veränderung.
Praxisbeispiele:
1. Beispiel: Raucherentwöhnung
Eine 30 jährige Frau, Kindergärtnerin, kam in die Praxis
mit dem Wunsch, sich über Ohrakupunktur das Rauchen abzugewöhnen. Hauptmotiv
war ihre seit 3 Monaten bestehende Schwangerschaft. Die Patientin war sehr unruhig
und hektisch. Nach einer Erstbehandlung mit Anamnese, Ohrakupunktur, einer i.m.
- Injektion und Fußreflexzonentherapie setzte ich – im Beisein der Patientin -
das I GING ein. Folgendes Zeichen ergab
sich bei der Befragung
Das Zeichen stellt einen geöffneten
Mund dar, zwischen denen ein Hindernis
ist. ... Infolge davon lassen sich die Lippen nicht vereinigen. Um eine
Vereinigung herbeizuführen, bedarf es des energischen Durchbeissens des
Hindernisses. (...) . Das energische Durchbeißen überwindet das Hindernis der Vereinigung im Mund.......
Immer wird die Einheit wo sie nicht zustande kommt, durch einen
Zwischenträger und Verräter durch einen Hindernden und Hemmenden aufgehalten. Da muß man energisch
durchgreifen, damit kein dauernder Schade entsteht.. Solche bewußten
Hindernisse verschwinden nicht von selbst. Gericht und Strafe sind nötig zur
Abschreckung und Beseitigung.
Aber es gilt dabei in der rechten
Weise vorzugehen. (...).Bloße Härte und Erregung wäre zu heftig im Strafen.
Bloße Klarheit und Weichheit wäre zu schwach. Beides vereint schafft
das rechte Maß. Wichtig ist, dass der entscheidende Mann, der durch den fünften
Strich repräsentiert ist, seiner Natur nach milde ist, während er durch seine
Stellung ehrfurchtgebietend wirkt
Klarheit herrscht, wenn bei der
Festsetzung der Strafen leichtere und schwerere klar unterscheiden werden....
Klarheit und Strenge bezwecken, daß die Menschen in Respekt gehalten werden, nicht sind die Strafen um ihrer
selbst willen wichtig. Die Hindernisse im Zusammenleben der Menschen werden
alle groß durch Unklarheit der Strafbestimmungen und Lässigkeit in ihrer
Ausführung. Nur durch Klarheit und bestimmte Raschheit der Strafen werden die
Gesetzte gefestigt.[29]
Interpretationsvorschlag
Erstaunlich
wie ein über 2000 Jahre alter Text, als von Zigaretten noch nicht die Spur zu
sehen war, neue Einblicke Sichtweisen produziert, die man kreativ in eine
Behandlungsstrategie einbetten kann:
-
die Zigarette ist
ein „Hindernis“ bei Kommunikation, für die Äußerung der
‚wahren‘ Bedürfnisse, [30]
-
„Energisch
durchbeißen“ beendet jegliches Rauchen.
-
„Energisch
durchgreifen“ , ist die einzige Möglichkeit für eine erfolgreiche Sucht-
-
Therapie. Für
Suchtabhängige gibt es keinen Mittelweg zwischen radikalem Verzicht und Tod.
Das muß der Therapeuten dem Patienten in einer klaren Position verdeutlichen,
ohne moralisierend („Erregung“) oder besserwisserisch („Klarheit“) aufzutreten.
-
Nach Ruediger
Dahlke„verrät“ Zigarettenrauchen das
Bedürfnis nach Kommunikation und Freiheit.[31]
-
Das Thema „Strafe“
bewirkt im Gespräch mit dem Patienten eine
tief empfundene Ahnung der Folgen seines Rauchens, da Strafe auf
„Schuld“ und „Schuld“ auf „Verantwortung“
hinweist. Der Patient fühlt sich wie ein kleines Kind, das etwas verbrochen
hat, aber intuitiv einsieht, das es
etwas falsch gemacht hat. Jetzt als
Erwachsener kann er sich aus der
Situation befreien.
-
„Unklarheit der Strafbestimmungen und
Lässigkeit in ihrer Ausführung“, spielt auf die gewollte oder ungewollte Verharmlosung
unserer Gesellschaft gegenüber dem Rauchen mit seinen bekannten schädlichen
Folgen an.
So
fand mit der Patientin ein sehr intensives und facettenreiches Gespräch statt.
Sie fühlte sich durch die Sprache des I Ging direkt angesprochen, war voll konzentriert
und motiviert, und geriet nicht in die häufig anzutreffende
Verteidigungshaltung.
2.
Beispiel: Meditative Begleitung einer Fastengruppe durch das I GING
Für
ca. 10 Teilnehmer habe ich im
Frühjahr und Herbst eine Fastenwoche
begleitet, die aus einem Entlastungstag, fünf Fastentagen und zwei Aufbautagen
besteht. Die Teilnehmer sind für jeweils 2 Stunden an drei Tagen der fünf
Fastentage in meiner Praxis. Das I GING hat mir dabei geholfen, die
Schwierigkeiten und Mühen dieser substantiellen Erfahrung der Nahrungskarenz einzuschätzen. Seine allegorische
Sprache gab eine gute Grundlage für eine intensive Reflexion ab, wobei jeder
einzelne Teilnehmer seine ganz eigenen Gedanken und Empfindungen hatte. Gerade
diese Vielfalt wirkte sich sehr belebend auf das Gruppengefühl aus
Ich
habe das I GING zunächst nach der
generellen Bedeutung des Fastens befragt
und erhielt Hexagramm 49 „Die
Umwälzung“. Außerdem habe ich es jeweils vor den Treffen befragt, um ein Bild dessen zu erhalten, was
die Gruppe am betreffenden Tag stabilisieren könnte.
Folgende
drei Hexagramme tauchten auf:
Erster Tag:
Hexagramm 3: Die
Anfangsschwierigkeit
Dritter Tag:
Hexagramm 21: Das Durchbeißen
Fünfter
Tag: Hexagramm 39: Das Hemmnis
Hier einige Textauszüge :[32]
Hexagramm
49 Die Umwälzung
Staatliche Umwälzungen sind etwas
überaus Schweres. Man darf sie nur im äußersten Notfall, wenn kein anderer
Ausweg übrig ist, vornehmen.... Man muß dabei in der rechten Weise vorgehen,
dass man das Volk erfreut und durch Aufklärung Ausschreitungen verhindert. Man
muß dabei ferner ganz frei von selbstsüchtigen Zielen sein und muß wirklich der
Not des Volkes abhelfen.
Die Zeiten ändern sich und mit ihnen die Anforderungen. So ändern
sich die Jahreszeiten im Lauf des Jahres. So gibt es auch im Weltenjahr Frühling
und Herbst der Völker und Nationen, die
gesellschaftlichen Umgestaltungen erfordern.
(...) So findet im Lauf des Jahres
auch ein Kampf der lichten und der dunklen Kraft statt, der sich in den
Umwälzungen der Jahreszeiten auswirkt.
Der Mensch wird Herr über den Wechsel der Natur, wenn er seine
Regelmäßigkeit erkennt und den Zeitverlauf entsprechend einteilt. Dadurch
kommen Ordnung und Klarheit in den scheinbar chaotischen Wechsel der Zeiten,
und man kann sich schon im voraus auf die Erfordernisse der Zeit einstellen.
Interpretationsvorschlag
-
Für die
Teilnehmer ist es eine grundlegende
neue Erfahrung eine begrenzte Zeit ohne
Nahrung auszukommen. Nahrungskarenz wird in unserer Gesellschaft mit Notzeiten assoziiert, die keiner
freiwillig auf sich nehmen möchte. Insofern findet eine Veränderung, ja eine Umwälzung im Denken und im täglichen
Leben statt, die dem Einzelnen eine neue Freiheit geben kann.
-
Frühjahr und Herbst
sind klassische Fastenzeiten, in denen der Biorhythmus des Körpers sich
umstellt. Eine bewußte Wahrnehmung dieser Umwälzung /Umstellung verstärkt die
körperliche Ordnung und innere Klarheit auch für die Zukunft.
-
Es ergehen
Aufforderungen an den Therapeuten: Zum einen muß er durch eine „erfreuende“,
freudige Atmosphäre dafür sorgen, dass die Teilnehmer während der Fastenwoche
nicht in eine „dramatische“ Stimmung
voller Selbstzweifel verfallen. Andererseits darf er seine Stellung als
Therapeut nicht „selbstsüchtig“ missbrauchen, um die Kursteilnehmer in
Abhängigkeit von seiner Person oder seinen Methoden zu bringen.
Es
wird eine gefährliche Situation von
„dichte(r) , chaotische(r) Fülle“ geschildert.[33]
Hier das „Urteil“:
„Die
Anfangsschwierigkeit wirkt erhabenes Gelingen
Kommentar: „Werdezeiten haben
Schwierigkeiten. Es ist wie eine Erstgeburt Aber diese Schwierigkeiten
entstehen aus dem Großen Überfluß[34]
dessen, was nach Gestaltung ringt. Es ist alles in Bewegung begriffen, darum
ist trotz der vorhanden Gefahr Aussicht auf großen Erfolg da, wenn man
Beharrlichkeit hat. Wenn solche Anfangszeiten als Schicksal kommen, so ist noch alles ungestaltet und düster. Darum
muß man abwarten, denn jedes vorzeitige
Zufassen könnte Mißerfolg . Ebenso ist
es von großer Wichtigkeit, daß man nicht allein bleibt. Man muß Gehilfen
haben, um gemeinsam mit ihnen das Chaos
zu bewältigen. Das heißt aber nicht, daß man selbst untätig
den Vorgängen zuschauen soll, sondern man muß mit Hand anlegen, anfeuernd und
leitend bei allem dabei sein.[35]
Interpretationsvorschlag
An
Hand dieses prägnanten Textes lassen sich einige Phänomene veranschaulichen:
-
Die Patienten fühlen,
daß ihre Beschwerden in Form von körperlichen Gebrechen oder einem generellen
Unwohlsein Folgen eines „Grossen Überflusses“ sind. Nahrung im Überfluß
gefährdet ihre Gesundheit, ebenso wahllose Essgewohnheiten, denn sie
verursachen „Chaos“ im menschlichen
Körper.
-
Bei dem Versuch, eine
neue Ordnung herzustellen ist es ratsam, „nichts zu unternehmen“. Dieser
Ratschlag löst häufig Verwunderung aus, da wir dazu erzogen worden sind, ständig aktiv sein zu müssen. Hier hingegen
wird empfohlen dem Körper durch Fasten eine Ruhepause zu gönnen, was die
Teilnehmer sehr begrüssen.
-
Durch
„Beharrlichkeit“ wird man nach anfänglicher
Mühe und Selbstüberwindung
letztlich erfolgreich sein. Diese Aussicht auf Erfolg, die dem Hexagramm als
Reflexion der momentan herrschenden Voraussetzungen innewohnt, wirkt auf die Teilnehmer sehr motivierend.
-
Der Zusammenschluß in
der Gruppe mit gleichgesinnten Teilnehmern hilft bei der Überwindung kritischer
Situationen. Allerdings ergeht an den Einzelnen die Aufforderung, den anderen
durch besonderes Bemühen Kraft zu verleihen.
Der
eigenen instinktiven Einstellung entspricht
folgende Weisheit des I GING aus
dem Hexagramm : „Wenn man zu Anfang einer Unternehmung auf Hemmung stößt, so
darf man den Fortschritt nicht erzwingen wollen, sondern muß vorsichtig
innehalten.“ : Statt Härte gegen sich selbst und andere, Abwarten, Ruhe und
Entspannung. [36]
Dritter Fastentag Hexagramm 21: Das Durchbeißen
Hier
wiederholte sich das Hexagramm, was auch schon am Beispiel der
Raucherentwöhnung aufgetaucht war. (siehe oben). Das Reflektieren des
Textes in der Gruppe führte zu der
Aufmunterung, in der Hälfte der Fastenwoche energisch weiterzumachen, um
„dauerhaften Schaden“ , z.B. durch die Erfahrung des eigenen Scheiterns, zu
vermeiden. Hier noch ein Textauszug aus dem Kommentar zur 4 . besonderen Linie:
Es sind sehr große Schwierigkeiten zu
überwinden. Mächtige Gegner sollen bestraft werden. Das ist sehr mühsam. Doch
es gelingt. Aber man muß die Härte von Metall und die Geradheit eines Pfeils
besitzen , um die Schwierigkeiten zu überwinden. Wenn man diese Schwierigkeiten
kennt und beharrlich bleibt, so erlangt man Heil. Die schwierige Aufgabe
gelingt zuletzt.[37]
Interpretationsvorschlag:
-
Mit „mächtigen Gegnern“ kann vielerlei gemeint sein: die eigene
Trägheit, ein skeptisches, nicht- gönnendes Umfeld der Familie oder auch organische dysbiotische Prozesse.
-
Das Bild eines „Kampfes“ gegen diese „mächtigen Gegner“ bewirkt eine
entschiedenere Haltung der Kursteilnehmer, die Fastenwoche zum Erfolg zu
führen.
-
„Härte von Metall und die Geradheit eines Pfeils“ sind wohlbekannte, der sinnlichen Erfahrung
zugängliche Allegorien.
Das
I GING ist voll von nützlichen Wahrheiten, die einem Einblick geben in die
„Psychodynamik“ dieser besonderen Fastensituation: So wird vor
„Beschämung“ gewarnt, wenn man sich
nicht an den begrenzten Rahmen der Fastenwoche hält; vor „Entstellung“ der
eigenen Bemühungen durch Personen, die lieber sähen, dass das Fasten scheitert;
vor „blutigen Tränen“, wenn man seine Vorsätze aus Mangel an Beharrlichkeit
aufgibt.
Es handelt sich um eine Lage, da sich
Hemmnisse einem gegenüberstellen, die nicht direkt überwunden werden können. In
diesem Fall ist es Weisheit, angesichts der Gefahr stehenzubleiben und sich
zurückzuziehen. Dieser Rückzug ist jedoch nur die Vorbereitung zur Überwindung
der Hemmnisse. Es gilt sich mit gleichgesinnten Freunden zusammenzutun und sich
der Leitung eines ;Mannes zu unterstellen, der der Lage gewachsen ist. Dann
wird es gelingen, die Hemmnisse zu beseitigen. Dazu bedarf es der Gesinnung der
Beharrlichkeit gerade dann, wenn man scheinbar etwas tun muß, das vom Ziel
abführt. Diese unbeirrbare Richtung des Innern bringt schließlich Heil. Das
Hemmnis, das nur eine Zeitlang dauert, ist von Wert für die Bildung der eigenen
Persönlichkeit. Das ist der Wert der Not.[38]
Interpretationsvorschlag:
Nach
Beendigung der Fastenwoche kehren die Teilnehmer wieder in den gewohnten Alltag
zurück. Sie haben einen ersten Impuls zur Umstellung von alten Gewohnheiten
erhalten. Dieser reicht allein nicht aus, um „Hemmnisse“ auf dem Weg zur
vollständigen Gesundheit zu überwinden. Weitere Beharrlichkeit ist notwendig,
sowie ein „Rückzug“ in der Form, dass
sich die eigenen Eß- und Verhaltensweisen von denen des unmittelbaren
Umfeldes (z.B. Familie/ Partner) zu
unterscheiden beginnen. „Not“ kann auftreten, wenn man sich gegen
Vorhaltungen oder Spott behaupten muß, oder wankelmütig wird im eigenen
Durchhaltevermögen. Zur Bestärkung ist der Zusammenschluß mit „gleichgesinnten
Freunden“ anzustreben, damit die Neuorientierung selbstverständlich wird. Ein
erneuter Besuch eines Fastenkurses kann hilfreich sein. Letztlich bringt des
Erleben von Enthaltsamkeit und erfolgreicher Bewältigung von Konflikten großen
persönlichen Gewinn („Wert der Not“)
Ein ca. 35
jähriger Sportstudent, der sein Studium über den 2. Bildungsweg begonnen hatte,
war seit längerem in Behandlung wegen Rücken- und Hüftschmerzen. Diese waren
psychosomatisch, da auf dem Röntgenbild keinerlei Schäden zu beobachten waren.
Für diesen Patienten war jede einzelne Prüfung zum Studienabschluß eine grosse
psychische Belastung. Nachdem er alle Klausuren erfolgreich abgeschlossen
hatte, mußte er noch seine Diplomarbeit
fertigstellen. Dieser Kraftanstrengung sah er mit grossen Befürchtungen
entgegen. Wir haben deshalb zusammen das I GING befragt. Es ergab sich das:
Urteil:
Des Grossen Zähmungskraft.
Fördernd
ist Beharrlichkeit
Nicht zu Hause essen bringt
Heil.
Fördernd ist es das grosse Wasser zu
überqueren.
Das Zeichen Kein deutet auf starke
Schöpferkraft, das Zeichen Gen auf Festigkeit und Wahrheit, beide deuten auf
Licht und Klarheit und auf tägliche Selbsterneuerung des Charakters. Nur durch
eine solche tägliche Selbsterneuerung
bleibt man auf der Höhe der Kraft. (...) Darum ist es günstig, nicht zu
Hause zu essen, sondern in der Öffentlichkeit durch Übernahme eines Amtes sein
Brot zu verdienen. Man ist im Einklang mit dem Himmel; darum gelingen auch
schwere, gefahrvolle Unternehmungen, wie das Durchqueren des großen Wassers.[39]
Folgende
Rückschlüsse ergaben sich aus dem Hexagramm im Gespräch mit dem Patienten:
-
Zunächst deutet das
Zeichen daraufhin, daß die Aussichten, die vom Patient gefürchtete Diplomarbeit
(=Grosses Wasser) zu bewältigen, günstig sind.
-
Bestimmte
Voraussetzungen sind zu beachten: (Nicht
zu Hause essen, sondern in der Öffentlichkeit durch Übernahme eines Amtes sein
Brot zu verdienen =) Neben seiner
Diplomarbeit soll er sich eine Halbtagsstelle suchen, die Ihm Einkommen,
Anerkennung und Abwechslung bietet. (Der Patient hatte die Möglichkeit dazu.)
Außerdem die Diplomarbeit nicht zu
Hause zu schreiben, sondern in der beschäftigten Atmosphäre einer Bibliothek.
-
(Tägliche Selbsterneuerung =) Neben dem Schreiben an der Diplomarbeit soll er in seiner Nebentätigkeit oder über
Sport, kulturelle Veranstaltungen etc. täglich
etwas für sein Wohlbefinden tun.
Das Bild
Der Himmel inmitten des Berges:
Das Bild von der Großen
Zähmungskraft.
So lernt der Edle viele Worte der
Vorzeit
und Taten der Vergangenheit kennen,
um dadurch seinen Charakter zu
festigen.
Der Himmel inmitten des Berges deutet auf verborgene
Schätze. So liegt in den Worten und Taten der Vergangenheit ein Schatz
verborgen, der zur Festigung und Steigerung des eigenen Charakters verwendet
werden kann. Das ist die rechte Art des Studiums, sich nicht auf historisches
Wissen zu beschränken, sondern das Historische durch Anwendung immer wieder
gegenwärtig zu machen.[40]
Beim
Vorlesen dieser Textpassage fühlte der
Patient sofort eine Bestätigung für sein Diplomarbeitsthema: Er wollte eine
bereits vorhandene Studie aktualisieren und weiter ausbauen. Da sich diese
Studie bereits bewährt hatte (= Schatz), gab ich ihm den Rat , immer wieder auf
diese zuverlässige Arbeitsbasis als Ausgangsbasis zurückzugreifen als. Auf diese Weise würde er selbst nicht den Faden verlieren und an sich selbst
zweifeln.
Es
folgten noch weitere Empfehlungen, die sich aus den besonderen Linien des
Hexagramms und den Studienbedingungen des Patienten ergaben. Erstaunlich war,
wie zutreffend das I GING die Situation des Patienten reflektierte.
Entsprechend fasziniert war er.
Schlußbemerkung
und Zusammenfassung:
Die
ganzheitliche naturheilkundliche Therapie muß sich nicht nur um den Körper,
sondern auch um Geist und Seele bemühen. Der Geist erschließt sich uns über die
menschliche Empfindungstätigkeit. Wird diese aktiviert , bemüht sich der Mensch
um eine stimmige Ausrichtung seines Lebensweges. Darüber verstärkt er sein
inneres Streben nach Gesundung,
indem er seinem Leben eine neue
Ausrichtung gibt, die im Einklang ist mit seinen wesentlichsten Idealen und
Wertvorstellungen.
Das
chinesische I GING, das „Buch der
Wandlungen“ ist trotz seiner bereits 3000 Jahre alten Geschichte ein
„lebendiges Buch“. Es ist in der Lage, durch seine rein geistige Natur ein
mögliches Sprachrohr des menschlichen Geistes zu sein, welcher - wie das I GING- nicht an Raum und Zeit gebunden ist. Dadurch kann das I GING für
jeden Einzelnen Antwort auf jede ernst
gemeinte Frage geben Es bezieht die Stellung des Menschen zwischen Himmel und
Erde ein und verleiht dem ständigen Wechsel der Lebenssituation eines Menschen
Ausdruck. Es kann alle Phänomene erklären helfen, also auch gesundheitliche.
Durch
Einbeziehung des I GING in eine „Therapie für den Geist“ entsteht ein Austauschprozeß zwischen Therapeut und
Patient, da das I GING unmittelbar die geistigen und seelischen Sphären des
Patienten anzusprechen in der Lage ist und
sich dadurch bei ihm freie Assoziationen einstellen, die mit seinem
„inneren Streben“ in Einklang sind:
Die
Weisheiten und Wahrheiten des I GING können
dem Patienten den Weg aus seiner Krankheit zeigen . Das I GING ist daher als Sprachrohr des Geistes ein
„sinnvoller“, wenn nicht sogar notwendiger Verbündeter der Naturheilkunde für
eine ganzheitliche Therapie an Körper,
Geist und Seele.
Andreas
Wörmann, Heilpraktiker, Diplom- Soziologe
Anschrift: Andreas Wörmann, Heimertsberg 18, 53894
Mechernich,
Tel: 02443- 912 555, Fax:
02443- 912 548
e-mail:
Andreas.Woermann@t-online.de
Verwendete Literatur:
1.
I
GING, Text und Materialien, übersetzt von Richard Wilhelm, Diederichs Verlag,
2001
2.
I
TJING, Het boek der veranderingen, Uitgeverij Ankh- Hermes, 1982
3.
Franciscus
Adrian , Die Schule des I GING, Diederichs- Verlag, 1994
4.
Wen
Kuan Chu/ W.A. Sherill, Astrologie des I GING,
Diederichs- Verlag 1992
5.
Ruediger
Dahlke, Krankheit als Symbol, C. Bertelsmann Verlag, 1996
6.
Ulrich
Jürgen Heinz „Spagyrik- die
medizinische Alternative“, Bauer- Verlag, 1984
7.
C.G.Jung,
Über den Menschen, Walter Verlag 1998
8.
Michael
Tierra, Heilen mit Magneten, Windpferd- Verlag 2001
[1] Ulrich Jürgen Heinz a.a.O. , S. 19
[2] ebenda, S. 13
[3] Heinz, a.a.O. S. 17
[4] Natürlich muß anfangs oberstes Therapieziel sein, dem Patienten zur Linderung von Schmerzen und Leidensdruck zu verhelfen.
[5] C.G.Jung, a.a.O., S. 18
[6] Dieser sollte um so mehr berücksichtigt werden, als „die moderne Physik zu der Theorie (kommt), daß das, was wir Materie nenne, vielleicht überhaupt nicht aus (AW festen) Partikeln besteht, sondern vielmehr das Vorhandensein eines undurchdringlichen elektromagnetischen Feldes anzeigt“ Michael Tierra, Heilen mit Magneten, Windpferd- Verlag 2001, S. 13f
[7] Im Zeichen 43 des I GING , der Durchbruch, wird davor gewarnt, sich zu Lasten der Vernunft durch Leidenschaften verleiten zu lassen: „ Wenn im Herzen auch nur noch eine Leidenschaft nistet, so vermag sie die Vernunft zu umdüstern. Leidenschaft und Vernunft können nicht zusammen bestehen, darum ist unbedingter Kampf notwendig, wenn man das Gute zur Herrschaft bringen will.“ S. 163 aaO
[8] Wen Kuan Chu/ W.A. Sherill, a.a.O.,
S. 12
[9] „Zufall“ im Sinne von absichtlich, aber nicht vorhersehbarem Zufallenden
[10] Franciscus Adrian , a.a.O., S. 15
[11] nach I GING, a.a.O. S.245
[12] I TJING, holländische Ausgabe, a.a.O. S. 181
[13] Das I Ging besteht aus 64 Hexagrammen , also Zeichen, die aus 6 Linien bestehen, männlichen (Yang-) und /oder weiblichen (Yin-) Linien
[14] I GING, a.a.O., S. 290f
[15] ebenda, S. 13
[16] I GING, a.a.O., S. 278
[17] Weil dies wohl nicht das Ziel eines jeden Herrschers war, wurden die Betreiber des I GING verfolgt.
[18] Adrian, a.a.O. S. 13
[19] I GING, a.a.O. S.275
[20] ebenda, S.274
[21]Wu /Sherrill , a.a.O.S.15.
[22] ebenda, S.78 f
[23] In dieser Anschauung ist auch das Spagyrische Denken beheimatet, indem es die Ebenenabhängigkeit einer Krankheit beachtet: der „zufällige“ physische Anlaß, der psychische Grund, die geistige Veranlassung und die Kharmische Ursache
[24] Wen/ Sherrill, a.a.O. S. 16
[25] Wen/Sherrill. a.a.O. S.16
[26] Nach Erstellung eines Fragenkatalogs kann die Auswahl dieser wichtigsten Frage auch über Biotensor oder kinesiologisch erfolgen.
[27] Beide Möglichkeiten sind zu unterschiedlichen Zeitpunkten empfehlenswert
[28] Siehe
Zeichen 4: „Fragt er zwei -, dreimal, so ist das Belästigung. Wenn er
belästigt, so gebe ich keine Auskunft.“ I GING, a.a.O. S. 40
[29] I Ging, a.a.O. S. 94 f
[30] dasselbe Zeichen tauchte auch bei der Begleitung einer Fastengruppe auf (siehe unten): Hier war es das Essen, was das Aufspüren der eigentlichen Bedürfnisse verhinderte.
[31] Ruediger Dahlke, Krankheit als Symbol, C. Bertelsmann Verlag, 1996 S. 420
[32] Ich habe mich hier nur auf die Urteile und Bilder beschränkt, obwohl gerade die einzelnen Linien die wechselnden individuellen Verhältnisse beschreiben.
[33] I GING, a.a.O. S. 35
[34] „Großer Überfluß“ Übersetzung aus der holländischen Ausgabe, in der deutschen heißt es lediglich „Fülle“
[35] I GING S.36
[36] Das I GING fordert in anderen stagnierenden Situationen durchaus zu energischem Handeln auf.
[37] I Ging, a.a.O. S. 96
[38] I Ging, a.a.O. S. 150
[39] I Ging, a.a.O. S. 110
[40]
ebenda
www.andreaswoermann.de